Die Geschichte
des Vereins MTV „Eiche“ Schönebeck
1897
7. November
In „Passes Sommergarten“ in Neu-Schönebeck versammeln sich 33 Schönebecker zwecks Gründung eines Turnvereines.
Die Wirtin Frau Antje Passe unterstützt den den jungen Verein mit einem Kredit zum Kauf von Turngeräten.
Gründungsprotokoll und erste Statuen sind leider nicht überliefert.
Ganz formal treten sie der „Deutschen Turnerschaft” bei und treffen sich zweimal die Woche zum üben: Freiübungen, z.T. mit Keulen, und Turnen an den Standardgeräten Barren und Seitpferd.1902
1902 bietet der Wirt der Gaststätte „Neue Weide” in Alt-Schönebeck, H.Grothusen, dem Verein seine Schießhalle als „Turnhalle zur freien Verfügung” an. Da die Mehrzahl der Turner aus Schönebeck und Friedrichsdorf kommt , wird der Wechsel beschlossen.
Niemand ahnt, dass dort bis 1957(!) geturnt wird!
Foto: „Neue Weide” mit Veranda, ein Garten-Etablissement 1.Ranges
Auf dem Krümpel/Ecke Schöneberger Kirchweg gelegen, 1970 für Wohnungsbau freigelegt1904
19. Juni
mit Festrede, Festumzug & Festball wird die 1. Vereinsfahne gefeiert
1906
Ältestes Foto des Vereins
1908
16. August
Ausrichtung des Bezirksturntag durch 18 Aktive und 33 Passive, es wird ein rauschendes Fest mit 22 Vereinen.
1910
„Das Frauenturnen erfreut sich einer immer größeren Teilnahme. Das ist zum einen zurückzuführen auf die sich verbreitende Erkenntnis von der Bedeutung der Leibesübungen gerade für das weibliche Geschlecht, zum anderen auf die neuzeitliche Entwicklung des Frauenturnens, die immer mehr der weibichen Eigenart Rechnung trägt.” (Original-Zitat)
1914
1914 verbleiben sämtliche Vorstandsfunktionen durch den Kriegsausbruch beim späteren Ehrenmitglied Bernhard Thalmann. Viele männliche Vereinsmitglieder verlieren ihr Leben.
1915
werden die Jugendabteilungen zur „Jugendwehr”. Beim Jugendwettturnen werden auch Läufe mit Sandsäcken, Hindernislauf und Zielwurf mit Handgranaten(!) durchgeführt.
1919
3. August
beschließt die Hauptversammlung den übertritt zur „Freien Turnerschaft” und nennt sich jetzt „Arbeiter-Turnverein Schönebeck und Umgebung”. Das ein ganzer Verein zum „Arbeiter-Turnerbund” übertritt ist erstmalig in der Geschichte. Die Mitgliederzahl steigt auf 185.
1923/24
Durch die Inflation sinkt der Lebensstandard bedenklich und der Turnbetrieb schläft bis 1925 ganz ein.
1925
1925 wird der Nachfolgeverein Männerturnverein „Eiche“ Schönebeck und Umgebung neu gegründet.
Der „Arbeiter-Turnerbund” greift den neuen Verein scharf an.1926
Der Vorstand bewilligt 450 M für ein Seitpferd und eine Matte.
die von den Männern gewünschte Frauenabteilung erhält Umkleiden an der Schützenhalle und startet am 18.Juni mit Turnbruder Johann Mathis als Frauenwart.1927
Erstmals wird ein Haushaltsplan aufgestellt.
Die Mädchenabteilung wird gegründet.1928
Johann Mathis bittet um ünterstützung als Frauenturnwart, da er „nicht mehr in der Lage sei mit den Turnerinnen die neuzeitlichen übungen turnen zu lassen”.
Die Knabenturnabteilung wird gegründet.1929
beginnt mit der Klage, dass der Turnbetrieb bei Männern stark nachlät, während sich der Mannschaftssport gut entwickelt – ein erster Strukturwandel!
Das sogenannte Braakland wird unser erster Sportplatz, hergerichtet in Eigenarbeit.
Mit dem „vier-Orte-Wettkampf” entsteht ein neuer Wettbewerb für Turnvereine.1930
ist mit Adele Cassens auch eine Frau im Vorstand vorhanden – aber eine Vorturnerin fehlt noch immer.
Am Volksturnfest nehmen wir mit gutem Erfolg vor allem im Handball teil.
Es wird beklagt, dass die geselligen Veranstaltungen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage stark nachgelassen haben.1931
gibt es mit Lotte Burchard endlich eine ausgebildete Vorturnerin für die Frauen.
Leider schläft das Mädchenturnen ein, weil die Halle durch die schlechte Kassenlage nicht geheizt werden kann.
Ebenso fallen die großen Feste aus.
Die Handballer stehen an der Spitze der B-Klasse.1932
Auf dem Höchststand der Weltwirtschaftskrise wechselt der Vorstand aus Altersgründen auf Hermann Fest.
Große Feste sind weiterhin gestrichen, stattdessen gibt es ein Schauturnen, zweimal im Jahr wird gewandert.
Die Handballmannschaft kämpft um die Gaumeisterschaft.
Für viele ist das Turnen die einzige positive Abwechslung.1933
Hermann Fest legt nach langer schwerer Krankheit sein Amt nieder.
Bernhard Wedepohl übernimmt mangels Freiwilliger den Vorsitz. Dieser heiß nun Vereinsführer, und darf den weiteren Vorstand einfach bestimmen.
Es müssen ohnehin 51 % aller Vorstandsmitglieder NSDAP-Mitglieder sein.
Am 24.Juli findet eine Generalversammlung statt auf welcher die neuen Regeln der NSDAP erklärt werden.
Turnbruder Bernhard reagiert zunächst ausweichend, versucht dann aber doch mitzuspielen.
Es finden wieder gesellige Veranstaltungen statt: Osterball, vier Wanderungen, die Sonnenwendfeier, eine Geländeübung des Wehrsportwartes.1934
tritt Bernhard Wedepohl wieder zurück. Er erklärt, dass er: „das Seine zur Löschung des Brandherdes beitragen werde, der durch erhebliche Rauchentwicklung das Vereinsleben wenn nicht zu ersticken,, so doch zu lähmen droht.“
Sechs weitere Kandidaten verzichten auf das Amt. Schließlich wird Diedrich Denker ernannt.
Die SA setzt alte Rechte beim Vermieter des Turnsaales durch, überführt Jugendliche ab 10 Jahre in die HJ und den BDM, verordnet neue „sportliche” Veranstaltungen mit verpflichtender Teilnahme und ernennt einen Dietwart zur „Pflege völkischen Brauchtums”.1935
wird der Turnverein mit dem „Reichsbund für Leibesertüchtigung” gleichgeschaltet.
1936
Das Olympiajahr geht wegen der fehlenden Turnhalle und somit mangels turnerischer Betätigung fast völlig am Verein vorbei.
Der Gemeindevorstand erklärt den Sportplatz zu Ackerland.1937
24. Februar
Mit einem Pressebericht endet das Protokollbuch des Vereines.
Zeitzeugen und andere Quellen berichten von vielen Austritten.
Mit Kriegsbeginn 1939/1940 wird der Sportbetrieb eingestellt.1950
In Bremen-Vegesack findet das 1.Landesturnfest mit 18.000 Zuschauern statt.
am 23.September treffen sich die altersturner der 30er Jahre um „Eiche” auferstehen zu lassen.
Bereits drei Tage wird der Vorstand gewählt und man turnt ab nun mit 90 Turnern in der „Neuen Weide”.
Der „Männerturnverein Eiche Schönebeck D.T.” hat jedoch weder einen Sportplatz noch Sportgeräte.
Die amerikanische Camp-Verwaltung gibt schließlich einen Bock und einen Barren heraus.
Die Schule Schönebeck nutzt die Veranda und die Turngeräte mit.
Die Vereinsfarben werden auf grün und weiß festgelegt.
Es weiter gewandert und auf dem Stiftungsfest ud dem Sylvesterball wieder gefeiert.
Der Vorsitzende Gerhard Michael tritt zurück.
1952
Eugen Berger wird neuer Vorsitzender.
Es gibt noch immer keinen Sportplatz.
Neue Turngeräte werden angeschafft.
1953
Die Tischtennisabteilung beteiligt sich an Punktspielen.
Die Handballmannschaft bleibt zusammen – trotz mangelnder Trainingsmöglichkeiten.
Neu ist die Fußball-Abteilung.1954
Die Vereinssatzung des „Männerturnverein Eiche und Schönebeck von 1897 e.V.“ wird verabschiedet.
Wegen ungehörigen Benehmens einiger Spieler wird die Fußball-Abteilung aufgelöst.
Mit dem Vereinswirt gibt es immer mehr Spannungen bezüglich der Veranda.
Im Sommer wird nun stattdessen geschwommen, zunächst in einem Teich am Stundenweg, dann im Heidbergbad.
Es entwickelt sich, vor allem wegen der Schwimmkurse, eine äußerst beliebte Schwimmabteilung unter Leitung des Vorsitzenden Eugen Bergen.
Mit den Jugendlichen vom TSV Lesum entwickelt sich eine intensive Freundschaft, aus der sogar eheliche Verbindungen hervorgehen.
1956
Der Vorstand bemüht sich um Turnhallenstunden im Neubau der Schule „Am Flintacker“.
Die Leichtathleten üben im Vegesacker Stadion.
Die Angebotspalette wird um Federball und Prellball erweitert – von Beginn an Renner!
Die Tischtennismannschaften beteiligen sich an der Spielsaison 1956/57.
Zum letzten Mal werden die gesungenen Turnerlieder protokolliert.1957
1957 werden wir bei den Hallenzeiten der Turnhalle Borchshöhe brücksichtigt – manche Mitglieder kommen nur zum duschen…
Der ganze Verein bekommt neuen Schwung: Turner im Aufwind – pro Schwimmabend 15 Teilnehmer im Heidbergbad – Faustball der Altersturner – Prellball im Wettbewerb – Ringtennis, Federball, ganz neu Korbball in der Halle – nur die Leichtathletik wurde vernachlässigt.1958
werden die Sportberichte dem Protokoll vorangestellt.
Helmut Kruse erringt einen Siegerplatz als Turner auf dem Bezirksturnfest, die Prellballmannschaft „Eiche Turner III“ kommt ins Endspiel und verliert knapp, den Vereinskampf der Mädchen gewinnt Marlene Beier.
Wir sind an der Spendensammlungsaktion zur Aufstellung des Schönebecker ehrenmals beteiligt.1959
ist wieder ein gutes Sportjahr, besonders hervorzuheben sind Schwimmwettkämpfe, die Prellball-Jungenmannschaft und Eugen Bergen im Leichtathletischen Dreikampf.
Wandertage, Schauturnen, Kohl- und Pinkelfest runden das Sportjahr ab.
Eugen Bergen mahnt noch an: es sollten „wieder Turnlieder gesungen werden und nicht nur beim Duschen!“1960
findet die Jahreshauptversammlung erstmalig im Lokal „Quelle“ statt.